Diskussion:1.Korinther 11: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Volxbibel Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Worum geht es bei der Bezeichnung "wegen der Engel"?)
(Worum geht es bei der Bezeichnung "wegen der Engel"?)
Zeile 73: Zeile 73:
  
 
An dieser Stelle möchte ich noch einmal die Bezeichnung "wg. der Engel" aufgreifen und dich darum bitten, die zweite Möglichkeit, die ich oben genannt hatte, auch zu kommentieren:''Eine zweite Möglichkeit, die die Autoren nennen, ist, die Verbindung mit dem Bibelvers, der besagt, dass wir später die Engel richten werden und Paulus in etwa sagen wollte: "Später werdet ihr in Gottes Reich Engel richten, meint ihr nicht, dass die Frauen entscheiden können, was sie auf dem Kopf tragen?"'' --[[Benutzer:Warriorsaint|Warriorsaint]] 12:13, 29. Sep 2006 (CEST)
 
An dieser Stelle möchte ich noch einmal die Bezeichnung "wg. der Engel" aufgreifen und dich darum bitten, die zweite Möglichkeit, die ich oben genannt hatte, auch zu kommentieren:''Eine zweite Möglichkeit, die die Autoren nennen, ist, die Verbindung mit dem Bibelvers, der besagt, dass wir später die Engel richten werden und Paulus in etwa sagen wollte: "Später werdet ihr in Gottes Reich Engel richten, meint ihr nicht, dass die Frauen entscheiden können, was sie auf dem Kopf tragen?"'' --[[Benutzer:Warriorsaint|Warriorsaint]] 12:13, 29. Sep 2006 (CEST)
 +
 +
Ich glaube, man könnte an der Stelle ewig diskutieren und würden uns doch nicht einigen. Du hast schon recht, wenn du schreibst, dass die kulturellen, religiösen und sozialen Schranken im frühen Christentum aufgehoben wurden. Das gilt v.a. für Paulus und zeigt sich nicht zuletzt Galater 3,28. Dennoch gibt es eben auch bei ihm Punkte, wo die gängigen Geschlechterrollen der damaligen Zeit doch zum Vorschein kommen - die uns heute eben absolut fremd sind. Diese Stelle gehört dazu. (Übrigens hatte eine unverheiratete Frau oder eine Witwe auch jemanden, der juristisch für sie zuständig war, entweder der Vater oder auch ein Sohn.) Was natürlich richtig ist: Es war etwas absolut besonderes und neues, dass Frauen in den Christlichen Gemeinden auch das Wort führen durften - und es auch taten. Das war geradezu eine gesellschaftliche Revolution. Dennoch blieben alle aber immer auch noch in gewisser Weise Kinder ihrer Zeit - so wie wir eben auch. Das macht es halt für uns mit solchen Texten extrem schwierig - wobei ich selbst KEIN Kopftuch trage, wenn ich auf die Kanzel steige. Aber ich brauche als unverheiratete Frau heute ja auch einen Vormund mehr. Im historischen Kontext gesehen war mein Übersetzungsvorschlag allersings wirklich korrekt und nicht hineininterpretiert. Ich habe mich in meinem Studium intensiv mit Paulus beschäftigt und stecke da auch ganz gut in der aktuellen Forschung drin. Die Frage ist halt nur, inwieweit der ganze Abschnitt dann angepasst werden kann, denn wenn wir an diesem Vers etwas ändern wollen, um heutigen Vorstellungen entgegenzukommen, müssen wir es auch mit dem ganzen Abschnitt tun. Das Problem wird dann natürlich auch noch an anderen Stellen auftauchen. Es wäre aber auch auf jeden Fall falsch - und ich denke auch nictht im Sinne des Projektes Volxbibel - einfach problematische Stellen umzuinterpretieren. Da muss man, denke ich, sehr vorsichtig mit sein.--[[Benutzer:Sophia|Sophia]] 16:05, 29. Sep 2006 (CEST)
  
 
==Versaufteilung==
 
==Versaufteilung==
 
1. Korinther 11,1 gehört noch als letzter Vers zum vorhergehenden Abschnitt. Die Kapitel- und Verseinteilung der Bibel ist erst deutlich später als der Text eingeführt worden und da ist es auch manchmal zu einigen Fehlern gekommen, so wie eben hier.--[[Benutzer:Sophia|Sophia]] 15:42, 19. Sep 2006 (CEST)
 
1. Korinther 11,1 gehört noch als letzter Vers zum vorhergehenden Abschnitt. Die Kapitel- und Verseinteilung der Bibel ist erst deutlich später als der Text eingeführt worden und da ist es auch manchmal zu einigen Fehlern gekommen, so wie eben hier.--[[Benutzer:Sophia|Sophia]] 15:42, 19. Sep 2006 (CEST)

Version vom 29. September 2006, 16:05 Uhr

Mann & Frau im Gottesdienst- nicht unabhängig und mit Gott als Ursprung

1 Nehmt mich zum Vorbild, so wie Jesus mein Vorbild ist. 2 Ich finde es tierisch geil, dass ihr in diesem Sinne immer an mich denkt und euch konsequent an dem ausrichtet, was ich euch beigebracht habe. 3 Ich möchte, dass ihr euch darüber im Klaren seid, dass der Ursprung eines jeden Mannes Christus ist, und der Ursprung jeder Frau der Mann ist, und der Ursprung Christi aber Gott ist. 4 Für jeden Mann, der zu Gott spricht und Worte von Gott an andere weitergibt, ist das mit Kopfbedeckung extrem peinlich. 5 Für jede Frau, die zu Gott spricht und Worte von Gott an andere weitergibt, ist das ohne Kopfbedeckung extrem peinlich. Das wäre dann so, als hätte sie sich eine Glatze rasiert. 6 Wenn sie sich nun nichts auf den Kopf tut, kann sie sich genauso gut gleich die Haare abschneiden oder eine Glatze rasieren - gesetzt den Fall, dass es für eine Frau wirklich so übelst peinlich ist, die Haare abzuschneiden oder Glatze zu haben, soll sie halt eine Kopfbedeckung benutzen. 7 Der Mann soll keine Kopfbedeckung tragen, weil er Gott repräsentiert; die Frau repräsentiert zusätzlich auch den Mann; 8 denn der Mann kam nicht von der Frau, sondern die Frau kam vom Mann. 9 Der Mann wurde auch nicht wegen der Frau geschaffen, sondern die Frau wurde wegen des Mannes geschaffen. 10 Aus diesem Grund und wegen der Engel sollte eine Frau das Recht haben, über ihren Kopf zu bestimmen. 11 In Gottes Sicht ist weder die Frau vom Mann unabhängig, noch der Mann von der Frau unabhängig; 12 denn die Frau kommt zwar vom Mann, der Mann kommt aber von der Frau – alles kommt aber letztendlich von Gott. 13 Überlegt es euch selbst: Gehört es sich, dass eine Frau ohne Kopfbedeckung zu Gott betet? 14 Sagt euch euer Anstandsgefühl nicht, dass es für einen Mann unnormal ist, lange Haare zu haben? 15 Dass es hingegen für eine Frau, die lange Haare hat, wie eine schöne Kopfbedeckung wirkt – die zudem gesellschaftlich akzeptabel ist? 16 Wenn jemand jetzt deswegen eine riesengroße Diskussion vom Zaun brechen will, sollte er wissen, dass wir – also sämtliche Gruppen - nicht die Gewohnheit haben, uns wegen so etwas zu streiten. --Warriorsaint 16:28, 29. Jun 2006 (CEST)

Erklärung zum Abschnitt

Ehre für Frauen mit langen Haaren/Kopfbedeckung

Hinter den Argumenten von Paulus steckt in diesem Abschnitt eine damals sehr verbreitete Vorstellung. Zum einen war es für eine Frau ganz wichtig, lange Haare zu haben. Eine Frau mit kurzen Haaren war ohne jede Ehre. Wenn man z.B. eine Frau wegen Ehebruch verstoßen hat, hat man ihr eine Glatze geschoren. Und ohne Kopfbedeckung galt sie auch als Schutzlos. Die Kopfbedeckung/der Schleier zeigte an, dass diese Frau jemanden hat, der sie beschützt, der für sie spricht. Eine Frau alleine in der damaligen Zeit war nämlich ohne Recht. Paulus argumentiert hier also mit damals in der ganzen Gesellschaft üblichen Verhaltensweisen. Das sollte vielleicht in einer Bemerkung deutlich gemacht werden, weil einiges davon ja heute nicht mehr wirklich so gilt.

Was hat es hier mit den "Engeln" auf sich? (Damalige Vorstellung)

So ist das nämlich auch mit den Engeln zu verstehen. Man hatte die Vorstellung, dass Geistwesen, wie auch Engel, auf Frauen ganz scharf sind und sich gerne mal an ihnen vergreifen. Und weil Frauen nach damaliger Sicht ganz schwache Wesen sind, können sie ganz leicht über sie herfallen. Der Schleier zeigte dann an, dass die Frau zu einem Mann gehört und so konnte sich kein Geistwesen mehr an ihr vergreifen. Was die kurzen Haare bei den Männern betrifft, so war das eben Sitte im griechisch-römischen Bereich - für Juden galt das übrigens nicht. Hier merkt man, dass Paulus in einer griechischen Stadt aufgewachsen ist. Außerdem Trägt ein Grieche oder Römer keine Kopfbedeckung. Für Juden ist es dagegen ganz normal und war es auch damals. --Sophia 12:23, 19. Sep 2006 (CEST)

Vers 10 Übersetzungsvorschlag: Deshalb muss eine Frau immer eine Kopfbedeckung tragen um zu zeigen, dass sie zu einem Mann gehört, wegen der Engel (,die sonst vielleicht scharf auf sie sind und sie überfallen wollen). --Sophia 12:23, 19. Sep 2006 (CEST)


Worum geht es bei der Bezeichnung "wegen der Engel"?

Ich glaube nicht, dass es tatsächlich/wortwörtlich darum geht, dass die Engel einen dann nicht überfallen, sondern möglicherweise 1. um die Ehre, die einer Frau mit Kopfbedeckung zuteil wurde (wie Sophia ja bereits beschrieben hat) 2. um Schutz.

Deshalb würde ich diesen Übersetzungsvorschlag nicht unterstützen. Denn dann müsste man theologisch erklären, wieso Engel einen überfallen können, weil frau keine Kopfbedeckung trägt. Das finde ich äußerst zweifelhaft.

Meinen Übersetzungsvorschlag hatte ich ja bereits weiter oben gemacht. --Warriorsaint 14:43, 22. Sep 2006 (CEST)

Vor allem, da es keine einheitliche Lehrmeinung zu dieser Erwähnung der Engel in diesem Kontext gibt, möchte ich in der Übersetzung nichts interpretieren, was Sophia aber m.E. zu stark macht. Loren Cunningham/David Hamilton erwähnen außerdem in ihrem Buch "Why not Women?" die Möglichkeit, dass die Engel hier genannt werden, weil wir später "einmal sein werden wie die Engel", d.h. dass das Geschlecht später keine so große Rolle spielt und damit zwischen Frauen/Männer die Frage der Kopfbedeckung im Hinblick auf die Zukunft unwichtig ist. Eine zweite Möglichkeit, die die Autoren nennen, ist, die Verbindung mit dem Bibelvers, der besagt, dass wir später die Engel richten werden und Paulus in etwa sagen wollte: "Später werdet ihr in Gottes Reich Engel richten, meint ihr nicht, dass die Frauen entscheiden können, was sie auf dem Kopf tragen?"

Was meint ihr? --Warriorsaint 14:58, 22. Sep 2006 (CEST)

Den Satz "sie werden sein wie die Engel" mit diesem Abschnitt in Verbindung zu bringen finde ich ausgesprochen eigenartig - und es ergibt m.E. an dieser Stelle keinen wirklichen Sinn, denn es bezieht sich auf den Zustand im Jenseits, wo geschlechtliche Unterschiede keine Bedeutung mehr haben werden. An dieser Stelle geht es aber u.a. um den Unterschied zwischen Mann und Frau, der eben in der damaligen Gesellschaft sehr ausgeprägt war. Eine ehrbare Frau unterstand immer einem Mann - entweder dem Vater, dem Ehemann oder einem Vormund. Das ist etwas, was wir uns heute nur noch schwer vorstellen können, war damals aber ganz normal. Der Schleier war eben ein Zeichen dafür, dass die Frau eine ehrbare Frau ist - an der sich eben keiner vergreifen durfte. Für eine nicht-ehrbare Frau galt das eben nicht. Daher eben auch die Vorstellung, dass Engel sich an den Frauen vergreifen, die ohne Kopfbedeckung beten, denn beim Gebet oder prophetischen Reden. Es gibt dafür übrigens eine Geschichte im Alten Testament (1. Mose 6,2). In Übrigens müssen ja mit den Engeln nicht zwangsläufig die "guten" Engel Gottes gemeint sein, sondern es kann sich auch durchaus um böse Mächte handeln, was ich für ausgesprochen wahrscheinlich halte. Das ist übrigens die Meinung der meisten Theologen, die ich kenne. Zur Frage der Interpretation in meinem Übersetzungsvorschlag: Ich habe hier versucht, einen Übersetzungsfehler von Warriorsaint zu korregieren, denn das griechische Wort "exousia", was von ihm als "sie soll das Recht haben" gedeutet wird, hat an dieser Stelle eine ganz andere Bedeutung. Zuerst bedeutet es "Vollmacht" oder auch "Freiheit/Recht zu handeln". An dieser Stelle bedeutet es aber wohl, dass die Frau das Zeichen der Abhängigkeit vom Ehemann (also den Schleier) auf dem Kopf haben soll. So sehen es zumindest die gängigen Wörterbücher für neutestamentliches Griechisch. --Sophia 17:54, 26. Sep 2006 (CEST)

"Übersetzungsfehler von Warriorsaint zu korregieren, denn das griechische Wort "exousia", was von ihm als "sie soll das Recht haben" gedeutet wird..." und "Zuerst bedeutet es "Vollmacht" oder auch "Freiheit/Recht zu handeln"..." - schrieb Sophia.

Bitte erkläre doch, wie dann die von dir propagierte Abhängigkeit (die übrigens m.E. nicht zwangsläufig biblisch ist) mit Vollmacht und Freiheit bzw. dem Recht zu handeln zusammenhängt - das verstehe ich immer noch nicht. Denn in meiner Übersetzung habe ich ja den Frauen "das Recht...zu entscheiden" gegeben. Inwiefern soll das ein Übersetzungsfehler sein, denn Sophia hat ja selber "das Recht zu handeln" als Übersetzungsmöglichkeit genannt? Damit wäre ja auch Sophias Übersetzung m.E. zu stark interpretiert - besonders weil es sich hier um eine solch explosive Bibelstelle handelt, wäre ich dagegen, zu sehr zu deuten. Und die Frage ist ja auch, ob es tatsächlich um die Unterschiede geht, und nicht eher um die Gemeinsamkeiten (gemeinsamer Ursprung bspw.) von Mann und Frau?

Wäre es nicht auch eine Möglichkeit, was die Kopfbedeckung angeht, dass Paulus damit ALLEN Frauen in der Gemeinde die Möglichkeit gegeben hat, sich ehrbar darzustellen? Man muss doch bedenken, dass die Gemeinde damals extrem heterogen war; d.h. es ist denkbar, dass Paulus Sklavinnen und ehemaligen Prostituierten, usw. denselben Stand in Christus eingeräumt hat wie den anderen "ehrbaren Frauen" der Gesellschaft. In diesem Sinne wäre es doch durchaus sinnvoll aus der damaligen Gesellschaftsnorm heraus zu argumentieren - wie Sophia es ja tut. Indem Frauen eine Kopfbedeckung trugen - "wegen der Engel" (was evtl. eine ganz gebräuchliche Redewendung darstellt, von der jeder weiß, dass es hier um Schutz und Ehre geht)- genießen alle Frauen denselben Schutz/dieselbe Ehre innerhalb der Gemeinde. D.h. es gibt keine Unterschiede zwischen verschiedenen Klassen. Das passte auch in den Kontext, da es hier darum geht, dass wir alle von Gott kommen und damit gesellschaftliche/geschlechtliche Unterschiede irrelevant sind, um zu dienen. D.h. es ginge aber höchstens indirekt um die Abhängigkeit von einem Mann - und gerade diese Formulierung finde ich eben extrem schwierig. --Warriorsaint 21:12, 27. Sep 2006 (CEST)

Es ist schon richtig, dass "exousia" auch bedeutet, dass jemand die Macht/das Recht hat zu handeln. In Vers 10 ist es aber so, dass eine Frau diese "exousia" auf ihrem Kopf haben soll. Man könnte also sagen, dass die Frau "die Vollmacht auf ihrem Kopf tragen soll" - so wäre zumindest die wörtliche Übersetzung. Das Problem ist dann nur, dass das kein Mensch versteht. Das Kopftuch zeigt eben an, dass jemand Vollmacht hat über die Frau, sei es der Ehemann oder der Vater (was man heute ja übrigens auch noch im Islam als Zeichen hat). Die Frage von Sklavinnen wird hier dagegen gar nicht in den Blick genommen. Es geht in den Versen davor ja auch ein Stück um das Verhältnis Frau-Mann beim Gebet. Wenn man jetzt sagt, dass allen Frauen - auch Sklaven - das gleiche "Recht" eingeräumt werden soll, so ist das m.E. hineininterpretiert, weil es sich aus dem Zusammenhang des Abschnittes nicht ergibt. Das Problem ist an dieser Stelle, dass es sich hier um gesellschaftliche Vorstellungen handelt, die uns heute vollkommen fremd sind, v.a. hier in Europa, wo es doch eigentlich eine Gleichberechtigung gibt zwischen Frau und Mann. Es war wohl auch tatsächlich so, dass in den frühen christlichen Gemeinden den Frauen wesentlich mehr Rechte gegeben wurden, als dies sonst in der Gesellschaft üblich war und es gibt fast so etwas wie eine Gleichberechtigung unabhängig vom Geschlecht und der sozialen Stellung. Man muss aber eins bedenken: in der damaligen Gesellschaft durften Frauen überhaupt nicht an religiösen Dingen aktiv teilnehmen - und schon gar nicht reden. Einzige Ausnahme bildeten bestimmte geweihte Jungfrauen wie die Vestalinnen oder die Pythia in Delphi. Aber auch die standen unter der Aufsicht von Priestern. Das war bei den Menschen damals so im Kopf - und da kommt eben auch Paulus nicht heraus - dass Frauen an sich schwach sind, wenn sie nicht unter der Aufsicht von einem Mann stehen. Im Kontext der Stelle geht es ja letztlich auch ein Stück um das Verhältnis von Frau und Mann und Paulus ordnet die Frau unter den Mann unter. Man könnte es so sagen: Wenn eine Frau in der Öffentlichkeit keine Kopfbedeckung - sprich Schleier - trägt, beleidigt sie ihren Mann, der ja sozusagen ihr gegenüber die Aufsicht hat und setzt sich der Gefahr aus, dass andere sich an ihr vergreifen, weil sie ja nicht als anständige Frau zu erkennen ist. Beim Gebet betrifft das eben irgendwelche Engel. Viele Theologen meinen dazu, dass damit auch so eine Art böse Geister gemeint sind, die sich gerne über schutzlose Menschen her machen und wenn der Geist der Frau beim Gebet geöffnet ist, können sie eben leicht über sie herfallen - so zumindest wahrscheinlich die damalige Vorstellung. Wie gesagt, hier steckt eine gesellschaftliche Vorstellung dahinter, die uns heute reichlich fremd ist. Wenn ich also den Vers sehr interpretierend übersetzt habe, habe ich die damaligen gesellschaftlichen Vorstellungen mit im Blick. Die Frage, die man sich für die Volxbibel natürlich stellen kann ist die, ob das so heute wirklich noch etwas für die Leute bringt. Vielleicht sollte man auch nach einer Möglichkeit suchen, wie man im heute die Sache betrachtet. Das hätte dann allerdings auch Auswirkungen auf den ganzen Abschnitt. So, das war jetzt eine lange Abhandlung, die hoffentlich niemanden vollständig verwirrt. --Sophia 11:26, 28. Sep 2006 (CEST)

Wie du schon sagst, geht es hier um gesellschaftliche Vorstellungen, in die wir nur noch wenig Einblick haben. Daher auch mein etwas anderer Vorschlag, wieso es möglicherweise so gesagt wurde (wobei Sklavinnen nur exemplarisch waren, auch das ist sicherlich interpretiert). Damit kommen wir aber auch zur Kernfrage von Übersetzungen - inwieweit sollte man interpretieren, damit der Sinn erhalten bleibt, bzw. ab wann wird der Sinn sehr einseitig übersetzt? Ich gehe dann lieber vom Wörtlichen aus, wenn ich mir nicht sicher bin, und traue dem Leser selber zu, sich selber seine Gedanken dazu zu machen und das nicht vorwegzunehmen.

Du sprichst Unterordnung an. Geht es hier aber tatsächlich um Unterordnung? In diesem Abschnitt geht es doch eher darum, dass Männer und Frauen öffentlich beten/prophezeien sollten (nach jüdischem Verständnis ist damit der gesamte geistliche Dienst eines Menschen abgedeckt) und zwar auf eine Art und Weise, die niemanden vor den Kopf stößt. Was auch angesprochen wird, ist die Tatsache, dass Mann und Frau dieselben Ursprünge haben und deshalb auch nicht unabhängig voneinander leben. (Was vom Kontext her gesehen, ein gutes Argument ist, um Frauen öffentlich dienen zu lassen).

Mein Problem ist dabei auch, dass sich dann deine Interpretation sehr schwierig darstellt für Frauen, die gar keinen Mann haben, der für sie handeln könnte. Sind sie dann von dem Schutz ausgeschlossen? Dürfen sie dann nicht beten? Sind sie ehrlos, weil zufällig alle Verwandten tot sind? Was ist mit den Witwen? In Galater steht, dass es nun keinen Unterschied mehr gibt zwischen Freien und Sklaven, Mann und Frau, weil in Jesus Christus die Umzäunung abgebrochen ist. Wie bringst du es damit in Einklang, dass du hier offensichtlich Unterschiede machst? Sophia schrieb: "Man könnte also sagen, dass die Frau "die Vollmacht auf ihrem Kopf tragen soll" - so wäre zumindest die wörtliche Übersetzung." - ich habe in einer Interlinearen Übersetzung noch einmal nachgeschaut. Das Wort epi ("auf") kann auch "über" bedeuten. Womit "Vollmacht über ihren Kopf" auch gut mit "Recht über ihren Kopf zu bestimmen/entscheiden" zusammenpasst. Das Wort "tragen" im Sinne von Anziehen kommt m.E. aber in diesem Vers nicht vor - "haben/halten" aber schon. (Im Übrigen finde ich unsere Diskussion extrem interessant).

An dieser Stelle möchte ich noch einmal die Bezeichnung "wg. der Engel" aufgreifen und dich darum bitten, die zweite Möglichkeit, die ich oben genannt hatte, auch zu kommentieren:Eine zweite Möglichkeit, die die Autoren nennen, ist, die Verbindung mit dem Bibelvers, der besagt, dass wir später die Engel richten werden und Paulus in etwa sagen wollte: "Später werdet ihr in Gottes Reich Engel richten, meint ihr nicht, dass die Frauen entscheiden können, was sie auf dem Kopf tragen?" --Warriorsaint 12:13, 29. Sep 2006 (CEST)

Ich glaube, man könnte an der Stelle ewig diskutieren und würden uns doch nicht einigen. Du hast schon recht, wenn du schreibst, dass die kulturellen, religiösen und sozialen Schranken im frühen Christentum aufgehoben wurden. Das gilt v.a. für Paulus und zeigt sich nicht zuletzt Galater 3,28. Dennoch gibt es eben auch bei ihm Punkte, wo die gängigen Geschlechterrollen der damaligen Zeit doch zum Vorschein kommen - die uns heute eben absolut fremd sind. Diese Stelle gehört dazu. (Übrigens hatte eine unverheiratete Frau oder eine Witwe auch jemanden, der juristisch für sie zuständig war, entweder der Vater oder auch ein Sohn.) Was natürlich richtig ist: Es war etwas absolut besonderes und neues, dass Frauen in den Christlichen Gemeinden auch das Wort führen durften - und es auch taten. Das war geradezu eine gesellschaftliche Revolution. Dennoch blieben alle aber immer auch noch in gewisser Weise Kinder ihrer Zeit - so wie wir eben auch. Das macht es halt für uns mit solchen Texten extrem schwierig - wobei ich selbst KEIN Kopftuch trage, wenn ich auf die Kanzel steige. Aber ich brauche als unverheiratete Frau heute ja auch einen Vormund mehr. Im historischen Kontext gesehen war mein Übersetzungsvorschlag allersings wirklich korrekt und nicht hineininterpretiert. Ich habe mich in meinem Studium intensiv mit Paulus beschäftigt und stecke da auch ganz gut in der aktuellen Forschung drin. Die Frage ist halt nur, inwieweit der ganze Abschnitt dann angepasst werden kann, denn wenn wir an diesem Vers etwas ändern wollen, um heutigen Vorstellungen entgegenzukommen, müssen wir es auch mit dem ganzen Abschnitt tun. Das Problem wird dann natürlich auch noch an anderen Stellen auftauchen. Es wäre aber auch auf jeden Fall falsch - und ich denke auch nictht im Sinne des Projektes Volxbibel - einfach problematische Stellen umzuinterpretieren. Da muss man, denke ich, sehr vorsichtig mit sein.--Sophia 16:05, 29. Sep 2006 (CEST)

Versaufteilung

1. Korinther 11,1 gehört noch als letzter Vers zum vorhergehenden Abschnitt. Die Kapitel- und Verseinteilung der Bibel ist erst deutlich später als der Text eingeführt worden und da ist es auch manchmal zu einigen Fehlern gekommen, so wie eben hier.--Sophia 15:42, 19. Sep 2006 (CEST)