Richter 9

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Die Kapitel

Kurzer Rückblick, wie die Israeliten das Land erobert hatten: Richter 1 || Richter 2

Die Geschichte, als die einzelnen Richter am Start waren: Richter 3 || Richter 4 || Richter 5 || Richter 6 || Richter 7 || Richter 8 || Richter 9 || Richter 10 || Richter 11 || Richter 12 || Richter 13 || Richter 14 || Richter 15 || Richter 16

Noch zwei Geschichten aus der Zeit: Richter 17 || Richter 18 || Richter 19 || Richter 20 || Richter 21

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Abimelech möchte gerne der Präsident sein

1 Eines Tages ging Abimelech, ein Sohn von Gideon, in die Stadt Sichem, weil er die Verwandten seiner Mutter besuchen wollte. Er organisierte ein großes Familienmeeting, und als alle dort waren, hielt er eine Rede:

2 „Liebe Leute! Also, wenn ihr heute mal eine repräsentative Wahlumfrage in Sichem starten würdet, wen die Bevölkerung bei der nächsten Landtagswahl am liebsten an der Macht hätte, was denkt ihr, würde dabei rauskommen? Ist den Leuten eine Regierung aus allen siebzig Söhnen von Gideon lieber, oder wären sie eher für nur einen Mann? Ich denke, die Antwort ist klar. Überzeugt sie davon, dass ich ihr Mann sein könnte! Ich komme auch aus ihrer Familie, das gleiche Blut fließt in meinen Adern!“

3 Die Brüder von seiner Mutter schlossen sich Abimelech an und wurden zu seinen Wahlkampfhelfern. Sie machten in der ganzen Stadt bei den Bürgern von Sichem schwer Werbung für ihn. Das war anscheinend nicht so schwer, weil sich die Leute sagten: „Hey, das ist einer aus unser Familie!“

4 Sie gründeten eine Partei und bekamen eine fette Parteispende von 90 000 Euro vom Konto des Baals-Tempels, um den Wahlkampf zu finanzieren. Mit der Kohle bezahlte Abimelech unter anderem einen Spezialtrupp von Wahlkampfhelfern, die alle wegen Gewaltdelikten vorbestraft waren. Die hatten vor nichts und niemandem Respekt.

5 Mit dieser Truppe ging Abimelech in einer Nacht zum Haus von seinem Vater. Dort ermordete er alle seine Brüder. Alle siebzig wurden von den Männern auf dem Boden vor dem Haus hingerichtet. Nur der jüngste Sohn konnte sich in einem Schrank auf dem Dachboden verstecken. Der Junge hieß Jotam.

6 Als das bekannt wurde, trafen sich alle Bewohner von Sichem und Bet-Millo mit den Männern, die im Regierungsgebäude arbeiteten, an einem Ort vor der Stadt. Der Treffpunkt war das Denkmal bei der großen Eiche. Dort wählten sie mit Handzeichen Abimelech zu ihrem neuen Präsidenten.

Jotams Märchen: Das Präsidentending bringt es generell nicht

7 Jotam, der letzte Überlebende von Gideons Familie, erfuhr dann auch, dass Abimelech der neue Präsident ist. Er hielt dann sofort im Fernsehen eine feurige Ansprache an alle Leute: „An alle Bewohner von Sichem! Hört mir zu, wenn ihr wollt, dass Gott euch zuhört!

8 Ich erzähl euch jetzt mal ein Märchen: Es war einmal, dass in einem Wald alle Bäume eine Versammlung hatten, weil sie einen Baum als Präsidenten bestimmen wollten. Sie sagten zur Tanne: ‚Hey, warum wirst du nicht unser Präsident?‘

9 Aber die Tanne hatte nicht wirklich Bock drauf. ‚Soll ich etwa meinen Job als Weihnachtsbaum an den Nagel hängen, worüber sich die Kinder in der ganzen Welt jedes Jahr freuen? Warum soll ich jetzt etwa der oberste Chefbaum von allen Bäumen werden?‘

10 Also fragten die Bäume den Kastanienbaum: ‚Du musst jetzt unser Präsident werden!‘

11 Aber der Kastanienbaum war auch nicht so von der Idee begeistert. ‚Wie jetzt? Soll ich keine Kastanien mehr tragen, womit man die Hirsche und so immer gut füttern kann? Warum soll ich jetzt etwa der Chefbaum von allen Bäumen werden?‘

12 Als Nächstes fragten sie einen Apfelbaum: ‚Hast du nicht Bock, unser Präsident zu werden?‘

13 Aber der antwortete: ‚Muss ich dann aufhören, Äpfel wachsen zu lassen, wenn ich euer Präsident wäre? Da freuen sich doch die Menschen immer voll drüber, und man kann lecker Apfelmus oder Apfelkuchen da draus machen! Warum soll ausgerechnet ich der Chefbaum von allen Bäumen werden?‘

14 Schließlich sagten sie zur Brennnessel: ‚Hey Brennnessel, willst du nicht unser Präsi werden?‘

15 ‚Was?‘, antwortete die Brennnessel. ‚Ihr wollt wirklich mich zu eurem Präsidenten machen? Okay, dann kommt mal unter meine Blätter und lasst mich euer Chef sein. Sonst lasse ich euch mein Gift spüren, es wird wie Feuer brennen.‘“

16 Nachdem Jotam dieses Märchen erzählt hatte, sagte er weiter: „Glaubt ihr im Ernst, es war korrekt von euch, Abimelech zu eurem Präsidenten zu machen? Habt ihr echt schon vergessen, was Gideon und seine Familie für euch alles gerissen haben?

17 Mein Vater hat sein Leben riskiert, um euren Arsch vor den Midianitern zu retten!

18 Ihr habt euch heute auf die Seite von den Gegnern von meinem Vater geschlagen. Ihr habt alle seine Söhne getötet, alle siebzig einfach abgeknallt. Und dann habt ihr euch den Sohn einer einfachen Angestellten geschnappt und ihn zum Präsidenten von Sichem gemacht. Und warum? Nur weil er aus eurer Familie kommt!

19 Wenn das alles okay war, wenn ihr heute korrekt mit der Familie vom Gideon umgegangen seid, dann wünsch ich euch viel Glück mit Abimelech ... Es soll von mir aus alles super mit euch weiterlaufen.

20 Wenn das aber nicht korrekt war, dann wünsch ich mir, dass ihr euch gegenseitig vernichtet. Abimelech soll alle Bewohner von Sichem, inklusive der Stadtmauern, abfackeln, und ihr sollt Abimelech unter Beschuss nehmen, so dass auch er getötet wird!“

21 Als Jotam fertig war mit seiner Rede, verschwand er schnell durch einen Hinterausgang. Er floh vor seinem Bruder Abimelech nach Beer und blieb dort erst mal.

Zwischen Abimelech und Sichem gibt es Stress

22 Nach drei Jahren Regierungszeit über Israel

23 gab es plötzlich Stress zwischen den Bewohnern der Stadt Sichem und Abimelech. Die Leute hatten keinen Bock mehr auf ihn und zettelten eine kleine Revolution an.

24 Diese üble Abschlachtung, die Abimelech mit seinen Brüdern gebracht hatte, sollte sich an ihm rächen. Und auch die Bewohner von Sichem sollten ihre Strafe bekommen, weil sie die Mittel organisiert hatten, um diesen Mord durchzuziehen.

25 Zum Beispiel legten sich einige Männer aus den umliegenden Dörfern immer nachts auf die Lauer und raubten jeden aus, der die Stadt verlassen oder um sie herumreisen wollte. Diese Nachricht kam auch bei Abimelech an.

26 In der Zeit kam Gaal (ein Sohn von Ebed) mit seiner ganzen Familie nach Sichem. Er redete viel mit den Bürgern der Stadt, und die fingen an, ihn ganz nett zu finden.

27 Als der Wein abgeerntet war, stieg eine riesen Party in dem großen Tempel, wo sie zu ihrem Pseudogott Baal beteten. Nachdem das kalte Buffet schon gut weggegessen war und sie einiges an Wein intus hatten, ging plötzlich das Geläster über Abimelech los.

28 Gaal sagte: „Abimelech? Ha, was ist das bitte für ein Vollidiot! So einem Typen sollen wir die Regierung unserer Stadt Sichem überlassen? Der ist doch ein Sohn von diesem Gideon, oder? Er hat Sebul zu unserem Aufpasser gemacht. Tut lieber das, was die Söhne von Hamor sagen! Der hat unsere Stadt immerhin gegründet! Aber warum sollten wir tun, was dieser komische Abimelech sagt, hä?

29 Ach Mann, wenn die Bevölkerung von Sichem nur mich gewählt hätte. Ich wüsste schon, wie man mit Abimelech fertig wird. Ich würde ihm dem Kampf ansagen. ‚Los, hol deine Truppe zusammen‘, würde ich ihn auffordern. ‚Lass uns ne Runde kämpfen!‘“

30 Als der General Sebul, der die Armee der Stadt unter sich hatte, hörte, wie Gaal die Leute aufhetzte, wurde er richtig aggro.

31 Er schickte am selben Abend noch eine E-Mail an Abimelech. „Gaal, dieser Sohn vom Ebed, ist hier gerade in der Stadt und macht voll Alarm gegen dich!

32 Komm am besten nachts mit deiner Armee hierher, damit euch keiner sehen kann. Versteckt euch in der Nähe der Stadt.

33 Wenn die Sonne aufgeht, machst du einen Überfall auf Sichem, und wenn Gaal gegen dich in den Krieg zieht, kannst du dich an ihm rächen.“

34 Abimelech marschierte mit seinen Soldaten nachts los. Sie versteckten sich in vier Abteilungen einmal um die ganze Stadt herum.

35 Als Gaal morgens spazieren gehen wollte, verließ er die Stadt durch das Stadttor. Plötzlich stürmten Abimelech und seine Leute aus ihrem Versteck.

36 Gaal sah die Männer aus einiger Entfernung auf sich zustürmen. Er sagte zu Sebul: „Da kommen ja Soldaten aus den Bergen runter!“ – „Du brauchst langsam ne Brille, Gaal“, meinte Sebul zu ihm. „Das sind doch nur die Schatten der Berge, die du da siehst!“

37 „Doch, schau doch mal da drüben! Da kommen ein paar Leute den Abhang runter, den man auch ‚Zentrum der Erde‘ nennt. Und da ist noch ein Haufen, der auf dem Weg marschiert, der an der Zaubereiche vorbeigeht!“

38 „Und nun?“, fragte Sebul. „Wo ist jetzt deine große Klappe? Der Spruch kam doch von dir, mit dem ‚Was ist das für ein Vollidiot! So einem Typen sollen wir die Regierungsmacht von unserer Stadt Sichem übergeben?‘, und so. Hier, da kommt er jetzt! Jetzt kämpfe auch gegen ihn!“

39 Gaal übernahm den Befehl über die Armee von der Stadt Sichem.

40 Die Leute von Abimelech waren aber so stark, dass die Soldaten von Sichem schnell die Hosen voll hatten und flohen. Abimelech verfolgte sie, und die meisten Soldaten starben, noch bevor sie in der Stadt Schutz gefunden hatten.

41 Abimelech blieb dann in Aruma. Sebul schmiss aber den Gaal und seine ganze Familie für immer aus Sichem raus.

Abimelech greift Sichem an und zerstört es

42 Einen Tag später waren einige Männer aus der Stadt aber schon wieder dabei, Leute auszurauben, die dort vorbeikamen. Als Abimelech das mitbekam,

43 organisierte er drei kleine Trupps. Jede Einheit von seinen Leuten sollte sich nachts in der Nähe der Stadt an einer anderen Stelle verstecken. Immer wenn Männer aus der Stadt rauskamen, sprangen sie aus ihrem Versteck und killten die Leute einfach.

44 Das lief immer ungefähr so ab: Sobald die Leute draußen waren, lief er selbst mit einer Abteilung zum Eingang der Stadt. Dort versperrte er den Rückweg, während die beiden anderen Abteilungen die Männer in die Ecke trieben und töteten.

45 Dann griff Abimelech die Stadt selber an. Er kämpfte mit seinen Männern den ganzen Tag, bis sie eingenommen wurde. Alle Bewohner mussten sterben. Die ganze Stadt wurde von ihm niedergewalzt. Am Ende nahm er noch eine Kiste Dynamit und sprengte damit das ganze Zentrum. Ab jetzt wuchs da für Jahrzehnte kein Gras mehr.

46 Als die Mitarbeiter vom Regierungsviertel von Sichem mitkriegten, dass die Stadt verloren war, flüchteten sie in den Stadtbunker. Der lag unterhalb des Tempels von ihrem Pseudogott Baal.

47 Abimelech kriegte die Nachricht, dass die Leute alle in dem Bunker hockten.

48 Er ging dann auf den Berg Zalmon, nahm eine Motorsäge und sägte sich einen großen Ast ab. Den nahm er auf seine Schultern. „Los, Leute, macht mir alles nach!“, sagte er zu seinen Männern.

49 Also sägte sich jeder einen Ast ab und trug ihn hinter Abimelech hoch, zum Bunkergebäude. Dann legten sie über die Lüftungsanlage einen großen Haufen Holz, übergossen den mit Benzin und zündeten ihn an. So erstickten alle Leute, die sich in dem Bunker verschanzt hatten, ungefähr 1000 Männer und Frauen.

Abimelech stirbt

50 Als Nächstes eroberte Abimelech die Stadt Tebez.

51 In der Mitte von der Stadt war auch ein großer Luftschutzbunker. Alle Bewohner flohen dort rein und machten die Tür hinter sich zu. Sie verschlossen die großen Stahltüren und legten die Türriegel um.

52 Abimelech wollte aber keinen entkommen lassen, darum plante er, auch hier über dem Lüftungsschacht auf der Oberseite ein Feuer zu legen. Als er sich dem Eingang näherte,

53 bewarf ihn eine Frau mit einem Stein vom Dach aus. Der Stein traf ihn am Kopf, er fiel zu Boden und blutete wie blöd.

54 „Komm her und verpass mir ne Kugel“, schrie Abimelech einem seiner Soldaten an. „Sonst heißt es nachher, ich sei von einer Frau getötet worden!“ Der Soldat ging auf ihn zu und tötete Abimelech mit einem Kopfschuss.

55 Als die Israeliten mitkriegten, dass Abimelech gestorben war, gingen sie wieder nach Hause, jeder, wo er hergekommen war.

56 So sorgte Gott dafür, dass der schlimme Mord von Abimelech an seinen siebzig Brüdern gerächt wurde. Damit hatte er ja auch seinem Vater was Schlimmes angetan.

57 Und auch die Bewohner von Sichem mussten für ihr oberätzendes Verhalten bezahlen. Dieser böse Wunsch, den Jotam (ein Sohn von Gideon) gegen sie ausgesprochen hatte, war Wirklichkeit geworden.