Prediger 9

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Spaß haben am Leben

1  Also, ich hab mir echt den Kopf über das alles gemacht, undich bin zu folgendem Schluss gekommen: Es ist egal, ob man jetzt radikal gottmäßig lebt und ganz viel gecheckt hat oder nicht, jeder Mensch ist total abhängig von Gott. Er versteht ja noch nicht mal ganz, was Liebe oder Hass wirklich sind. Das sind für ihn Sachen wie von einem anderen Planeten. Außerdem kann keiner in die Zukunft gucken. Es zu versuchen, ist also völlig für umsonst.

2  Alle müssen mal sterben. Egal, ob man jetzt so gelebt hat, wie Gott es geil findet, oder nicht, ob man die ganze Zeit gute Sachen gebracht hat oder fiese, ob man sauber oder dreckig gelebt hat. In dem Punkt geht es demjenigen, der immer Mist gebaut hat, genauso wie demjenigen, der sein ganzes Leben lang das getan hat, was Gott möchte.

3  Das finde ich total übel. Jedem Menschen, der lebt, passiert am Ende das Gleiche. Während ihrer Zeit auf der Erde sind Menschen oft voll link unterwegs, sie haben böse Gedanken, bringen total verrückte Sachen, und irgendwann sterben sie.

4  Aber solange ein Mensch noch lebt, gibt es für ihn noch Hoffnung. Übrigens: Es ist besser, eine lebende Ratte zu sein, als ein toter Superheld.

5  Wer lebt, weiß, dass er mal sterben muss. Aber wer tot ist, weiß erst mal gar nichts, er hat nichts davon, tot zu sein, und auf der Welt hat man ihn auch schnell wieder vergessen.

6  Wen auch immer der Mensch geliebt oder gehasst hat, alles, was ihm wichtig war, wird dann total egal. Er wird nie mehr dabei sein bei dem, was auf der Welt abgeht, er ist einfach weg und mausetot.

7  Darum genieße jeden Tag, genieße jedes Essen, genieße jedes Bier oder jeden Wein und freu dich dadran. Gott findet das gut.

8  Kauf dir schicke Klamotten, style dich hübsch, leg einen guten Duft auf.

9  Genieße jeden Tag, den du mit der Frau hast, in die du verknallt bist, und mach das so lange, bis du stirbst. Das ist nämlich im Grunde wie eine Bezahlung für den ganzen Ärger, die Schufterei und was man sonst noch so jeden Tag zu bewältigen hat.

10  Pack alles an, was dir vor die Füße kommt, und erledige das volles Rohr. Denn wenn du tot bist, gibt es nichts mehr, was du anpacken und erledigen kannst. Dort, wo du dann sein wirst, warten keine Aufgaben auf dich und auch keine Lektionen, die du lernen könntest, oder sonst noch was.

Kann jeder selbst bestimmen, ob er glücklich wird?

11  Dann hab ich noch ein paar Dinge gelernt: Nicht die Schnellsten packen ihr Leben. Nicht die Stärksten gewinnen jeden Krieg. Gute Bildung garantiert einem nicht, dass man reich wird. Und viel draufzuhaben, sorgt auch nicht dafür, dass man der Klassenliebling wird. Jeder hat mal eine Pechsträhne, jedem passieren mal dumme Sachen.

12  Kein Mensch weiß vorher, wann genau er sterben wird. So, wie eine Maus plötzlich in die Mausfalle tapst oder wie eine Fliege plötzlich am Klebestreifen hängen bleibt, so gehen auch die Menschen dem Tod in die Falle. Wenn man nicht damit rechnet, ist er plötzlich da.

Wissen und Dummheit

13  Noch etwas, was ich lernen konnte: Es geht wieder um das Thema Wissen, was mir ja wichtig ist. Ich erzähl es mal in einer Geschichte:

14  Es war einmal eine kleine Stadt, in der nur wenig Leute wohnten. Schließlich kam eine große Armee, die ein Präsident geschickt hatte, und wollte die Stadt mit Panzern einnehmen.

15  In der Stadt wohnte ein alter Mann, der total arm war. Aber dieser Typ hatte es voll drauf, und mit seinen Tipps hätte man die Stadt retten können. Trotzdem hat man ihn noch nicht mal gefragt.

16  Jetzt sagt man ja, dass Wissen besser ist als Macht. Trotzdem ist das Wissen von einfachen Menschen egal, sie werden gar nicht beachtet, keiner fragt sie um ihren Rat.

17  Noch was: Es ist besser, auf den Rat von einem schlauen Menschen zu hören, der das Ganze entspannt vorträgt, als auf den Rat von einem hektischen Typen zu hören, der etwas durchgeknallt ist.

18  Etwas zu wissen ist wichtiger, als die tödlichsten Waffen zu besitzen. Jemand, der ohne Gott lebt, kann viel Gutes kaputt machen.