Prediger 2

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Auch Party oder Karriere machen bringt es nicht

1 Also hab ich mir überlegt, ab sofort nur noch Party zu machen. Ich wollte das Leben genießen und es mir einfach gutgehen lassen. Aber dann musste ich feststellen: Auch das bringt es nicht.

2 Mal ehrlich, was bringt es dir wirklich, den ganzen Tag zu lachen? Auch bei Spaß kommt am Ende nichts Richtiges bei rum.

3 Also hab ich beschlossen, mich ab sofort nur noch breit zu hauen. Ich nahm Drogen, um mein Bewusstsein zu erweitern und versuchte, high zu meditieren. Ich dachte mir: So bekomme ich vielleicht voll den Wissens-Flash und krieg ganz sicher raus, was man am besten mit seinem Leben anstellt.

4 Dann hab ich mal ein paar größere Projekte gestartet. Ich hab mir eine Villa gebaut und zwei, drei Weinberge gekauft.

5 So ein paar Obstplantagen mit ganz vielen tollen Bäumen hab ich mir auch gekauft.

6 Ich habe einige Teiche angelegt und mit dem Wasser einen ganzen Wald bewässert.

7 Schließlich habe ich meinen eigenen Öko-Anbau-Betrieb mit vielen Angestellten auf die Beine gestellt, von denen einige früher schon bei meinem Vater gearbeitethaben. Mir gehörten viele Rinder und Schafe, und in ganz Jerusalem gab es keinen, dem so viele gehörten wie mir.

8 Das Geschäft lief super, und bald hatte ich ein fettes Schweizer Bankkonto, einen Haufen Aktien und den Tresor bis oben hin voll mit Goldbarren. Das hatte ich mir alles durch meine Beziehungen besorgt. Ich hatte meine eigene Plattenfirma, einen Vergnügungspark usw. Und Frauen hatte ich auch bis zum Abwinken.

9 Meine Macht wurde immer größer, mein Konto wuchs immer weiter, kein Präsident vor mir hatte so viel wie ich. Außerdem war ich total schlau.

10 Was ich haben wollte, konnte ich mir auch leisten. Jeder Wunsch wurde mir erfüllt, alles, worauf ich Bock hatte, bekam ich. Ich war eine Zeitlang voll geflasht, dass ich es so weit gebracht hatte, ich war richtig glücklich.

11 Irgendwann hab ich mich zurückgelehnt und mir mein ganzes Leben angeschaut. Ich hab mal überlegt, was ich mir bis dahin aufgebaut hatte und was mich das alles gekostet hat. Und ich kam zu dem Schluss, dass letztendlich alles umsonst ist, das bringt es einfach nicht. Wie man es auch dreht und wendet, für nichts von den Sachen, die ich erreicht hatte, hat es sich wirklich gelohnt, sich derart reinzuhängen.

Bringt es das, schlau zu sein?

12 Ich hab dann auch mal über was anderes nachgedacht. Ich wollte checken, was das eigentlich genau ist, das „Wissen“. Und ich wollte im Gegensatz dazu auch mal rauskriegen, was „Dummheit“ ist, wie das abgeht, wenn man nicht viel kapiert. Denn der Kerl, der nach mir Präsident wird, wird auch nur mit Wasser kochen und Sachen bringen, die ein anderer schon mal gebracht hat.

13 Mir wurde erst mal klar, dass es besser ist, klug und schlau zu sein, als nichts in der Birne zu haben. Es ist ja auch besser, das Licht anzumachen, als die ganze Zeit im Dunkeln rumzutapsen.

14 Leute, die ihren Kopf nicht nur zum Haarewaschen haben, können eins und eins zusammenzählen und sich ausrechnen, was wann passieren wird. Idioten laufen im Dunkeln und sehen nicht, was auf sie zukommt. Trotzdem wurde mir auch schnell klar, dass mit jedem Menschen am Ende immer das Gleiche passiert: Er stirbt.

15 Also kam ich zu dem Schluss, dass das, was dem dummen Menschen passiert, auch mir passieren wird. Was sollte also die ganze Lernerei?Was bringt mir die ganze Intelligenz? Wofür die Weisheit? Mir wurde klar, dass das ganze Wissen eben auch umsonst ist.

16 Schlaue Menschen müssen genauso sterben wie dumme Menschen, und man wird sich an beide genauso lange erinnern können. Und ehe man sich umguckt, hat man sie schon vergessen.

17 Als mir das klar wurde, bekam ich plötzlich voll den Hass gegen das Leben. Denn jetzt war ich mir sicher, dass ich machen kann, was ich will, es ist eh alles für den Arsch. Nichts hat wirklich Bedeutung im Leben, es ist so, als würdest du versuchen, einen Furz einzufangen.

18 Ich hatte ab da keinen Bock mehr auf meine Arbeit. Denn was ich mir auch von dem Lohn kaufen würde, am Ende bekommt es ja doch jemand anders, wenn ich tot bin.

19 Und wer kann mir jetzt schon sagen, ob der Typ, der es bekommt, dann überhaupt Grips in der Birne haben wird? Ich habe mir das schließlich mit Mühe und durch mein Wissen erarbeitet. Aber trotzdem kann er dann damit machen, was er will. Auch das ist doch letztendlich umsonst!

20 Schließlich bekam ich voll die Depressionen, weil ja alles, was ich bis zu dem Tag gemacht hatte, alles, was ich angespart und gelernt hatte, umsonst war.

21 Ist doch so! Da arbeitet man wie blöd, lernt wie verrückt und versucht, mehr und mehr Sachen zu kapieren, und muss sie am Ende an einen Menschen weitervererben, der das gar nicht zu schätzen weiß, weil er nichts dafür getan hat. Auch das ist doch letztendlich umsonst, das bringt es nicht.

22 Was bleibt einem am Ende für die ganze Maloche, Arbeit und Anstrengung?

23 Nichts! Jeden Tag hat man nur Ärger am Hals, man macht sich die ganze Zeit über irgendwas Sorgen, das ist schon fast eine Sucht. Und nachts kann man nicht pennen, weil man an so viele Sachen denken muss.

24 Es gibt erst mal nichts Besseres für den Menschen, als richtig gut zu essen und zu trinken. Einfach mal locker lassen und sich was gönnen von den Dingen, für die man gearbeitet hat. Als ich drüber nachdachte, wurde mir klar, dass das von Gott kommen muss.

25 Er sagt ja: „Wer kann essen, trinken und dabei Spaß haben, und das ohne mich?“

26 Gott gibt den Menschen, die Bock auf ihn haben, Schnall vom Leben und Freude daran. Aber bei den Menschen, die keinen Bock auf ihn haben, sorgt er dafür, dass sie viel Geld verdienen, damit sie das den Menschen abgeben müssen, die für Gott okay leben. Aber letztendlich ist auch dasalles umsonst, es ist unwichtig, ohne Bedeutung.