Historische Volxbibeltexte

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Idee

Auch in früheren Jahrhunderten gab es schon Übertragungen der Bibel ins damalige Deutsch und in die Stimmung der damalige Zeit. Es ist schon interessant, welche Bibel-Interpretationen die Menschen früher hatten.

Beispiel

Christi Geburt nach Lukas 2, 1-20 übertragen im Heliandepos

(altniederdeutscher Epos aus der Zeit der Karolinger. Er wurde um 830 wohl von einem Geistlichen im Umkreis der Fuldaer Schule in Stabreimen verfasst. "Der Heliand" ist neben der altsächsischen Genesis die einzige Großdichtung der Frühzeit)


Da brachte man von Rom aus des mächtigen Manns

Über all dies Erdenvolk, Octavians,

Bann und Botschaft: Über sein breites Reich

Kam es von dem Kaiser an die Könige all,

Die daheim saßen, soweit seine Herzoge

Über all den Landen der Leute gewalteten.

Die Ausheimischen hieß er die Heimat suchen,

Ihre Mahlstatt die Männer, daß männiglich vor dem Fronboten

Bei dem Stamme stünde, von dem er stammte,

In der Burg seiner Geburt. Das Gebot war geleistet

Über die weite Welt: die Leute wanderten

Jedes zu seiner Burg. Die Boten fuhren hin,

Die von dem Kaiser gekommen waren,

Schriftverständige Männer, und schrieben in Rollen ein,

Genau nachforschend, die Namen alle

Des Lands und der Leute, und keinem erließen sie

Den Zins und den Zoll, den sie zahlen sollten

Männiglich vor seinem Haupt.


Da schied mit den Hausgenossen

Auch Joseph der gute, wie Gott der mächtige,

Der Waltende, wollte, sein wonnig Heim zu suchen,

Die Burg in Bethlehem, wo beider war,

Des Mannes Mahlhof und der Jungfrau zumal,

Maria der guten. Da war des Mächtigen Stuhl

In alten Tagen, des Edelkönigs,

Davids des hehren, solang´ er die Herrschaft durfte

Unter den Ebräern zu eigen haben

Und des Hochsitz behaupten.

Seines Hauses waren sie,

Seinem Stamm entsprossen, aus gutem Geschlecht

Beide geboren. Da hört´ich, daß der Schickung Gebot

Marien mahnte und die Macht Gottes,

Daß ihr ein Sohn da sollte beschert werden,

In Bethlehem geboren, der Geborenen Stärkster,

Aller Könige Kräftigster. Da kam an der Menschen Licht

Der mächtige Held, wie schon manchen Tag

Davon der Bilder viel und der Zeichen geboten

Waren in dieser Welt. Da ward das alles wahr,

Was spähende Männer vordem gesprochen,

Wie er in Niedrigkeit hernieder auf Erden

Durch seine einige Kraft zu kommen gedächte,

Der Menschen Wundherr. Da ihn die Mutter nahm,

Mit Gewand bewand ihn der Weiber Schönste,

Zierlichen Zeugen, und mit den zweien Händen

Legte sie liebreich den lieben kleinen Mann,

Das Kind, in eine Krippe, das doch Gottes Kraft besaß,

Der Menschen Mächtigster. Die Mutter saß davor,

Die wachende Frau, und wartete selber

Und hütete das heilige Kind. In ihr Herz kam Zweifel nicht,

In der Magd Gemüt.