Daniel 2

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Präsident Nebukadnezzar hat einen seltsamen Traum

1 Als Nebukadnezzar zwei Jahre an der Macht war, hatte er plötzlich in einer Nacht total heftige Alpträume. Die waren so heftig, dass er davon aufwachte und nicht wieder einschlafen konnte.

2 Schließlich organisierte er ein Treffen mit den schlausten Leuten, die in seinem Land wohnten. Von Psychotherapeuten und Ärzten über irgendwelche Wissenschaftler bis hin zu einigen okkulten Heinis wie Astrologen oder Geistheilern war alles vertreten.

3 Nachdem sie da waren, erklärte er ihnen, warum sie zu dem Treffen eingeladen wurden: „Es ist so, dass ich einen sehr heftigen Traum hatte. Ich bin deswegen ziemlich durcheinander und möchte gerne wissen, ob der Traum irgendwie eine Bedeutung hat, und wenn ja, was für eine.“

4 Die Astrologen meldeten sich als Erstes: „Lang lebe der Präsident! Erzählen Sie uns, was Sie geträumt haben! Wir werden Ihnen sofort sagen können, was der Traum für eine Bedeutung hat!“

5 Der Präsident antwortete: „Ich kann Ihnen eins versprechen: Falls Sie die Bedeutung nicht wissen, werde ich Sie mit einer MG durchlöchern lassen. Ihre Häuser werden von mir gesprengt und zu einem Schrottplatz umfunktioniert!

6 Ich will sehen, was Sie draufhaben! Erzählen Sie mir doch erst einmal, was ich überhaupt geträumt habe! Und dann will ich auch noch die Auslegung von Ihnen hören. Wenn Sie das schaffen, werde ich Ihnen eine fette Summe Geld ausbezahlen, und Sie bekommen einen Orden mit Auszeichnung von mir!“

7 „Äh, also“, stammelte die Truppe rum, „wenn Sie uns den Traum bitte erzählen würden?! Dann können wir Ihnen auch die passende Auslegung liefern!“

8 „Sie versuchen ja nur, Zeit zu gewinnen!“, motzte der Präsident zurück. „Da bin ich mir total sicher! Sie haben längst kapiert, dass ich es mit meiner Drohung ernst meine.

9 Wenn Sie es nicht schaffen, mir erst einmal zu sagen, was ich geträumt habe, dann sind Sie bei mir unten durch! Sie haben sich doch bestimmt vorherabgesprochen, mir nur irgendwelchen Dünnsinn zu erzählen, um etwas Zeit zu schinden. Los jetzt: Was hab ich geträumt? Nur wenn Sie das hinkriegen, kann ich mir auch sicher sein, dass Ihre Deutung wirklich passt.“

10 Die Psychoexperten sagten alle gleichzeitig: „Hey, so was kann kein Mensch! Es gibt niemanden heutzutage, der so was draufhat! Das hat es auch noch nie gegeben, dass ein Präsident von seinen Experten in Sachen Psychologie, Träumen und okkulten Praktiken so was verlangt.

11 Was Sie von uns wollen, ist eine Nummer zu groß für uns! Die Einzigen, die diese Frage beantworten könnten, sind irgendwelche übernatürlichen Geister und Kräfte. Aber die sind für uns Menschen leider nicht verfügbar.“

12 Der Präsident rastete nach dieser Ansage total aus. Er ließ alle Experten sofort festnehmen und verurteilte sie zum Tod. Nicht nur die Leute, welche bei dem Treffen in seinem Büro waren, sondern alle Experten, die zu der Zeit in seinem Land wohnten.

13 Da auch Daniel und seine Freunde zu diesen Experten gehörten, wurden auch sie festgenommen.

14 Arjoch, der Chef der Spezialeinheit vom Präsidenten, sollte das Todesurteil bei ihnen vollstrecken. Aber Daniel laberte erst einmal ganz ruhig mit dem.

15 Er fragte ihn, warum denn die ganze Bestrafungsaktion überhaupt gemacht wurde. Arjoch erzählte ihm die gesamte Story.

16 Daniel bat daraufhin sofort um einen Termin beim Präsidenten. Als er den bekam, bat er um ein paar Tage Frist, anschließend würde er ihm sowohl den Traum als auch die Bedeutung von diesem Traum sagen. Der Präsident ließ sich auf den Deal ein.

17 Also ging Daniel schnell nach Hause und erzählte seinen Freunden von der ganzen Sache.

18 „Hey, Leute“, rief er ihnen zu, „fangt an zu beten wie die Weltmeister! Bittet Gott, den Chef über dieses Universum, dass er mir hilft, dieses Geheimnis zu lüften! Wir wollen schließlich nicht mit den anderen Experten zusammen hingerichtet werden!“

19 In der nächsten Nacht hatte Daniel dann selbst einen Traum, in dem Gott ihm den Traum des Präsidenten und auch noch die Deutung zeigte. Am nächsten Morgen war er total happy und freute sich sehr über Gott.

20 Er betete: „Hey, Gott, du bist der Größte, und das wirst du auch immer bleiben! Du hast die Macht, und du hast es einfach drauf, du weißt alles!

21 Du kannst die Zeit zurückdrehen, wenn du da Bock drauf hast. Du setzt Präsidenten ein und setzt sieauch wieder ab. Du sorgst dafür, dass jemand alles weiß und Ahnung von Dingen hat. Wenn einer wirklich schlau ist, dann liegt das nur an dir.

22 Du hast eine Erklärung für die seltsamsten Geheimnisse. Du kapierst Sachen, die niemand kapieren kann. Denn du weißt, was im Dunkeln ist, und bei dir ist immer Licht.

23 Du bist der gleiche Gott, an den schon mein Vater und die Leute vor ihm geglaubt haben. Danke, Gott, du bist der Beste! Danke, dass du mir Schnall von solchen Sachen gegeben hast, dass ich so was wie Träume gut auslegen kann. Danke, dass du mir gezeigt hast, worum es in dieser Sache vom Präsidenten geht!“

24 Als er zu Ende war, stand Daniel auf und ging zu Arjoch, der ja vom Präsidenten den Befehl bekommen hatte, alle Experten von Babylonien töten zu lassen. Daniel betrat Arjochs Büro und sagte zu ihm: „Bitte warten Sie noch einen Moment mit dem Vollzug der Todestrafe! Bringen Sie mich vorher noch mal zum Präsidenten, denn ich glaube, ich hab die Antwort auf seine Frage gefunden!“

25 Arjoch stand sofort von seinem Schreibtisch auf und brachte Daniel zum Präsidenten. Nachdem er das Büro betreten hatte, sagte er: „Herr Präsident, draußen steht ein Mann, der zu den Juden gehört, die bei uns in Kriegsgefangenschaft festsitzen. Er behauptet, dass er die Bedeutung von Ihrem Traum weiß!“

26 Nachdem der Präsident Daniel in sein Büro gerufen hatte, fragte er ihn sofort: „Sie glauben also zu wissen, was ich genau geträumt habe, und können mir auch erzählen, was dieser Traum bedeutet? Dann mal raus damit!“

27 „Herr Präsident! Eins will ich mal vorweg sagen: Es gibt keine Wissenschaftler, Psychologen, Astrologen oder sonst was für okkulte Heinis, die Ihre Forderung wirklich erfüllen können. Keiner von denen kann den Traum oder seine Bedeutung wissen.

28 Aber es gibt einen Gott, der so was kann! Er ist der Gott, der über das ganze Universum regiert. Ich glaube, er möchte Ihnen mit diesem Traum sagen, was irgendwann sehr viel später passieren wird. Aber erst einmal zu den Fakten: Folgendes haben Sie in dieser besonderen Nacht geträumt:

29 Und zwar haben Sie an dem Abend noch lange wach in Ihrem Bett gelegen und sich voll die Sorgen über die Zukunft gemacht. Gott wollte Ihnen mit dem Traum sagen, was in der Zukunft passieren wird. Der weiß so was nämlich.

30 Vorweg will ichnur noch mal klarmachen, dass ich das nicht durch irgendeinen besonderen Trick rausgefunden habe. Ich hab auch nicht irgendwie mehr Schnall von den Dingen als jeder andere Mensch. Gott hat mir das deswegen erzählt, damit Sie kapieren, was in Ihrem Innersten gerade abgeht.

31 Und zwar haben Sie Folgendes geträumt: Da war so eine riesengroße Figur, und das Teil war echt richtig groß! Es war auf Hochglanz poliert und sah einfach sehr krass aus. Man bekam richtig Angst, wenn man es ansah.

32 Der Kopf von der Figur war aus Gold. Der Oberkörper war aus Silber. Der Bauch und die Arme waren aus Bronze.

33 Die Beine waren aus Eisen. Die Füße waren zum Teil aus Eisen, zum Teil aber auch aus Ton.

34 In ihrem Traum sahen Sie von unten zu dieser Figur hoch. Plötzlich löste sich irgendwie ein Stein aus der Decke, auf jeden Fall hatten Sie damit nichts zu tun. Der Stein traf mit voller Wucht die Füße von der Figur, die ja aus Eisen und Ton bestanden. Durch den Stein wurden die komplett zerstört.

35 Das Ganze löste eine Kettenreaktion aus. Eisen, Ton, Bronze, Silber und Gold fielen nacheinander wie ein Kartenhaus in sich zusammen und wurden zu Staub. Dann kam eine Windbrise, und der Staub flog in alle Himmelsrichtungen davon. Am Ende konnte man nichts mehr sehen. Von der Statue war kein Fitzel übrig geblieben. Der Stein, der von oben runtergefallen war, wuchs plötzlich zu einem großen Berg, der die ganze Erde überragte.

36 So, das war der Traum, den Sie geträumt haben. Jetzt kommen wir mal zu der Bedeutung.

37 Herr Präsident, Sie sind zurzeit der mit Abstand mächtigste Präsident auf der ganzen Welt! Sie sind die Nummer eins! Der Gott dieses Universums hat Ihnen diese Macht gegeben, er hat dafür gesorgt, dass alle Respekt vor Ihnen haben.

38 Egal, wo Menschen auf der Erde wohnen und wo die Tiere auf den Wiesen grasen oder die Vögel im Himmel rumfliegen, Sie sind überall der Boss. Was ich damit sagen will: In ihrem Traum sind Sie der Kopf aus Gold von der Figur.

39 Wenn Ihre Zeit abgelaufen ist, wird es einen neuen Präsidenten geben, der nicht ganz so mächtig sein wird, wie Sie es waren. Danach kommt noch ein dritter Präsident, dessen Macht wieder etwas weniger sein wird als die von seinem Vorgänger, auch wenn er noch immer über die ganze Erde das Sagen hat.

40 Aber dann kommt ein Präsident, derwird hart wie Eisen sein. Damit mein ich, dass er wie ein Eisenhammer alles zerschlagen wird, was ihm vor die Flinte kommt.

41 Zu der Bedeutung von den Füßen, die teilweise aus Ton, teilweise aus Eisen waren: Das heißt, Ihre Macht wird aufgeteilt, ein Land wird sich teilen. Trotzdem wird es sehr stabil sein, so wie Eisen stabil ist. Denn Sie haben ja in dem Traum gesehen, wie das Eisen sich mit dem lehmigen Ton vermischt hat.

42 Die Zehen waren ja teilweise aus Eisen, teilweise aus Ton. Das bedeutet, dass ein Teil von diesem Reich stark sein wird und ein anderer Teil eher schwach.

43 Die Vermischung von Ton und Eisen bedeutet auch, dass sich dort die beiden Reiche in der Form verbinden werden, dass die Machthaber ihre Kinder miteinander verheiraten. Aber diese Ehen werden irgendwann geschieden, die halten nicht lange. Es ist ja bei Ton und Eisen auch so, dass die beiden Materialien sich nicht so gut verbinden lassen.

44 In der Zeit, wo es diese beiden Reiche gibt, wird der Gott des Universums aber nebenbei sein eigenes Reich aufbauen, ein Reich, das nie mehr zerstört werden kann. Keine Regierung wird es schaffen, noch einmal an die Macht zu kommen, nachdem dieses Reich entstanden ist. Dieses Reich wird von Gott installiert werden, und es macht Schluss mit allen anderen Reichen, die es bis dahin gibt. Es wird ab dann für immer existieren.

45 Das haben Sie ja auch in Ihrem Traum gesehen! Erinnern Sie sich, wie sich der große Stein einfach so aus dem Felsen gelöst hat und auf die Figur gefallen ist? Dieser Stein hat dann ja das ganze Teil aus Ton, Eisen, Bronze, Silber und Gold kaputt gemacht! Der Gott, dem nichts unmöglich ist, hat Sie, Herr Präsident, in das eingeweiht, was in der Zukunft passieren wird. Der Traum ist hundertprozentig von Gott, und auch meine Auslegung stimmt voll und ganz!“

46 Der Präsident Nebukadnezzar war buchstäblich platt, als er diese Worte von Daniel hörte. Er schmiss sich erst einmal pauschal auf den Boden, auch um Daniel zu zeigen, dass er echt Respekt vor ihm hatte. Als Nächstes befahl er ein paar Angestellten, erst einmal für ihn ein paar Opfer durchzuziehen.

47 Er sagte zu Daniel: „Auf jeden Fall ist Ihr Gott der krasseste Gott von allen! Er steckt alle anderen Götter in die Tasche und die Präsidenten sowieso. Dieser Gott kennt anscheinend alle Geheimnisse. Er weiß, was sonst niemand herausbekommen würde. Nur so kann ich mirerklären, dass er Ihnen diesen Traum gedeutet hat.“

48 Der Präsident richtete für Daniel ein Konto ein und überwies ihm ohne Ende Kohle. Daniel bekam einen höheren Posten in der Regierung und hatte ab da das Sagen über die ganze Provinz Babylonien. Dazu wurde er ab sofort der erste Berater in allen Fragen des Präsidenten.

49 Daniel bat den Präsidenten, seine Freunde Schadrach, Meschach und Abed-Nego als Verwalter über die Provinz Babylonien einzusetzen, und der machte das sofort. Daniel wohnte dann in der Präsidentenvilla und ging im Regierungsgebäude ein und aus.